90er Jahre

Das Kreismusikfest 1990

Vom 1. bis 4. Juni 1990 führte der Musikverein Thurnau aus Anlass seines 85-jährigen Bestehens sowie der Zehn-Jahr-Feier der Jugendkapelle das Kreismusikfest durch. Vom Kommers, über einen Bunten Abend, einem Festzug mit anschließendem großen Gemeinschaftschor auf dem Marktplatz sowie Tanz- und Unterhaltungsabenden bot man den vielen Gästen aus nah und fern ein abwechslungsreiches Programm.

Die neunziger Jahre

An der Schwelle zum Jahr 1991 ließen Mitglieder des Musikvereins eine alte Tradition wieder aufleben: Auf dem Platz vor der Kirche begrüßten die Turmbläser das Neue Jahr mit einigen Liedern – auf den Turm von St. Laurentius konnten die Bläser nicht, er war wegen Bauarbeiten gesperrt. Auch in den neunziger Jahren waren die Herbstkonzerte, die nun in der Turnhalle der Volksschule stattfanden, die absoluten Höhepunkte im Jahresablauf. Im April 1992 wurde eine neue Ära im Musikverein Thurnau eingeleitet. Walter Hofmann, erst 31 Jahr alt, übernahm die Spitze des mittlerweile auf über 200 Mitglieder angewachsenen Vereins. In den folgenden Jahren kam es wiederholt zu Spannungen zwischen den älteren Bläsern und dem Jugendorchester, die in der Hauptversammlung Mitte März 1993 zu unüberhörbaren Misstönen zwischen den „jungen Wilden“ und dem Großteil der „alten Garde.
Im Laufe des Jahres verließen sogar zwölf Musiker aus Protest den Verein, doch schon ein Jahr später konnte Vorsitzender Walter Hofmann in der Hauptversammlung berichten, dass wieder Ruhe eingekehrt war. Bei den folgenden Herbstkonzerten vor jeweils ausverkauftem Haus wurde das Thurnauer Orchester für seine schwungvollen und im Niveau ständig steigenden Darbietungen mit verdientem Beifall regelrecht überhäuft. Am 20. und 21. Mai 1995 feierte man in kleinerem Rahmen und einem anspruchsvollen Jubiläumskonzert im Schlosshof sein 90-jähriges Bestehen. Etwa zur gleichen Zeit forcierte der Vorstand die musikalische Früherziehung – eine Maßnahme, für die man in den folgenden Jahren bis heute reiche Ernte einfahren konnte. Nach dem Herbstkonzert gab Dirigent Henryk Fox aus gesundheitlichen Gründen den Dirigentenstab aus den Händen. Michael Weber, erster Klarinettist, erklärte sich spontan bereit, den Posten vorübergehend zu übernehmen. 1996 gehörten dem Musikverein 257 Mitglieder an, 1996 war aber auch ein äußerst turbulentes Jahr. Beim Herbstkonzert des gleichen Jahres feierte Dirigent Henryk Fox ein sensationelles Comeback – ohne seine kurzfristige Zusage hätte man die Traditionsveranstaltung vermutlich absagen müssen. Und ohne seine Zusage, so räumte Vorsitzender Walter Hofmann bei der Hauptversammlung 1997 ein, wäre wohl sogar der gesamte Musikverein in seinem Bestand bedroht gewesen. „Rettung in letzter Minute“ titelte damals die Bayerische Rundschau. Nach dem erneuten, diesmal endgültigen Rücktritt von Henryk Fox übernahm Karl-Heinz Sack die Leitung des zwischenzeitlich auf 25 Musiker geschrumpften Orchesters. Fox wurde beim Herbstkonzert 1998 für seine Verdienste zum Ehrendirigenten ernannt.