Zur Eröffnung erklang die Königshymne

Adolf Häußinger erinnerte an das zähe Ringen um den Bau der Lokalbahn von Thurnau nach Kulmbach. Der letzte Zug fuhr am 3. September 1993.

Bayer. Rundschau v. 29.11.2008

Es war ein äußerst langes und zähes Ringen um den Bau der Eisenbahnstrecke von Thurnau nach Kulmbach, ehe sie am 10. Oktober 1908 endlich eingeweiht werden konnte. Wie es zur damaligen Trassenführung kam und über die begeisternden Empfänge auf den Haltestationen und Bahnhöfen bei der Eröffnungsfahrt referierte jetzt Adolf Häußinger im Karl-Maximilians-Bau des Thurnauer Schlosses.
Nach einleitenden Worten über die englischen Erfinder der Dampflokomotive, Richard Trevithick und George Stephenson, schilderte Häußinger die ersten Anläufe zum Bau der Lokalbahn im Thurnauer Marktgemeinderat.
So wurde schon am 15. März 1872 beschlossen, eine entsprechende Petition an die Kammer der bayerischen Abgeordneten zu richten. Allerdings sollte die Bahnlinie von Kulmbach über Hutschdorf und Thurnau nach Hollfeld führen. Diese Vorstellung wurde jedoch von der Generaldirektion der Königlich Bayerischen Verkehrsanstalten entschieden abgelehnt.

Petition an den „Allerdurchlauchtigsten“

Im Oktober 1880 richteten die Gemeinden des Thurnauer Landes eine Petition an den „Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten, Allergnädigsten“ König Ludwig
II. und baten um eine Bahnlinie von Bayreuth über Thurnau nach Weismain. Doch auch diesen Wunsch lehnte das Staatsministerium ab. In der Folgezeit versuchten angesehene Thurnauer immer wieder, das Interesse Kulmbachs für eine Bahnverbindung nach Thurnau zu erwecken. Im Jahr 1891 kam es zur Gründung von gleich zwei Eisenbahn-Komitees: Das Lokalbahnkomitee Thurnau strebte eine Linie von Bayreuth über Neudrossenfeld, Langenstadt, Hutschdorf und Kasendorf nach Thurnau an. Das Kulmbacher Komitee forderte eine Linie von Kulmbach über Lanzenreuth, Thurnau, Kasendorf, Wonsees nach Hollfeld. Weitere Vorschläge machte die Generaldirektion im März 1893. Bei einer ausführlichen Landtagsdebatte am 17. März 1896 plädierte der Abgeordnete Neuner für die Bayreuther Linie, der Kulmbacher Wilhelm Meußdoerffer für die Kulmbacher Linie.
Nach weiteren Bittschriften kam es im Juli 1901 auf Einladung der Generaldirektion im Gasthof Maisel in Kasendorf zur Gründung eines gemeinsamen Hauptkomitees, nachdem Ministerpräsident Graf von Crailsheim nun eine Linie Bayreuth – Thurnau – Kulmbach in Aussicht gestellt hatte. Den Ehrenvorsitz übernahm der Thurnauer Carl Gottfried Graf von Giech.
Im September 1903 wurden bei einer Versammlung in Bayreuth bereits Details über die Linienführung und künftigen Haltestellen besprochen. Am 14. Juni 1904 genehmigte der Landtag das ganze Projekt, das entsprechende Lokalbahn-Gesetz wurde von Prinzregent Luitpold am 10. August 1904 gebilligt.
Schon im Oktober 1904 begannen die Vermessungsarbeiten, die Erdarbeitenmit Pickel und Schaufel wurden im Sommer 1907 aufgenommen. Der Bahnhof Thurnau wurde großzügig ausgestattet, da hier die Zugfahrten begannen und endeten. Für die umfangreiche Gleisanlage wurden zwölf Weichen benötigt. Ein ganzer Komplex  entstand: Betriebsgebäude, Güterhalle, sanitäre Anlagen, Eisenbahnerwohnhaus, Maschinenhaus.

Musik und Böllerschüsse

Die Eröffnungsfahrt am 10. Oktober 1908 wurde auf allen Stationen unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert. In Krumme Fohre intonierte der Posaunenchor
Peesten die Königshymne. Der gräfliche Kanzleirat Johann Löwhielt eine Ansprache. Im festlich geschmückten Kasendorf verkündeten Böllerschüsse und freudige Musikklänge das Nahen des Zuges. Bürgermeister Konrad Eschenbacher erhoffte sich eine Förderung von Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft. In Thurnau wurde der Zug von begeisterten Hochrufen zahlreicher Menschen und schmetternden Fanfaren der Musikkapelle empfangen. Bürgermeister Johann Hofmann ließ nach Begrüßungs- und Dankesworten „Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold“ hochleben. Eine Reihe von Ansprachen gab es anschließend in der Restauration Wanderer (Fränkischer Hof).
Der Lebensabend der Lokalbahn begann laut Adolf Häußinger 1966: Ab diesem Jahr wurde der Reiseverkehr teilweise auf Straßenbusse verlegt, 1975 folgte die schrittweise Dezimierung der Gleisanlagen. Ab 1980 gab es keinen Stationsbedienstetenmehr, 1985 wurden Betriebsgebäude und Güterhalle abgerissen. Der letzte Zug fuhr am 3. September 1993.

Beitrag aus der Bayer. Rundschau v. 29.11.2008